Wasserversorgung in Barterode

(Verfasser: Fritz Schmidt)

 

Eine der ersten Benennungen von Barterode erfolgte 1118 mit der Gründung eines Klosterhofes in Bertholderode. Es gibt in Barterode 2 Höfe, die mit dem Kloster heute noch in Verbindung gebracht werden, die beiden Ropeter’schen Höfe.
Der Brunnen in der sogenannten „Bornchatze“ = Brunnengasse könnte mit der Gründung des Klosterhofes zusammen hängen, liegt er doch in unmittelbarer Nähe der Höfe. Siedlungen konnten ja immer nur dort entstehen, wo es Zugang zu Wasser gab.
Aufzeichnungen des Klosters Bursfelde 1144 – 1152 und des Klosters Hilwartshausen 1425 belegen, dass Barterode zu der Zeit schon eine anschauliche Siedlung war.

 

Ein Hinweis zur Wasserversorgung dieser Zeit ist nicht erkennbar.

 

In der „topographischen Carta des adelichen Gerichts Adelebsen aufgenommen 1720 von de Vielliers“ werden 80 Häuser benannt (80 Häuser = Feuerstätten entspr. 350 Einwohner).
Auf dieser Karte ist außerdem ein großer Bachlauf zusehen, mit Sicherheit die „Rottenbeeke“.

 

Bis zum 18. Jahrhundert wurde der Wasserbedarf aus 6 Schöpfbrunnen in der niederen Ortslage und 3 Ziehbrunnen in der höheren Ortslage gedeckt. Etwa Anfang 1830 wird Wasser in Tonröhren vom Rohberg in den Ort geleitet.

 

In einem Protokoll vom 19. April 1861 ist von einer Wasserinteressentenschaft die Rede, die in Anwesenheit von Amtsassessor Meyer (Uslar) über die Wiederherstellung der Wasserleitung befinden muss.
Laut Protokoll „wurde zunächst zur Abstimmung darüber geschritten, ob überhaupt die verfallene Wasserleitung wieder hergestellt oder davon gänzlich abgesehen werden soll“. Für die Wiederherstellung stimmten 16 Mitglieder, dagegen 17. Den 17 Gegenstimmen wurde der freiwillige Austritt gestattet, wenn sie auf alle Rechte verzichteten.

 

Die Erneuerung erfolgte in ca. 50 cm langen Tonrohren, die konisch zuliefen. Das Wasser wurde im Dorf zu sog. „Wasserpfosten“ geleitet, über die das überflüssige Wasser ablief.

 

Die für die Wiederherstellung stimmten, heißt es lt. Protokollauszug … fassten Heinrich Schäfer & Cons. Einstimmig folgenden Beschluss:
„Es soll die nunmehr in ihr alleiniges Eigenthum übergegangene Wasserleitung auf gemeinschaftliche Kosten wieder hergestellt und bis in die Gegend der Heinrich Teuteberg’schen und Ernst Wellhausen’schen Häuser fortgeführt werden.“

 

Die Anlage soll, sofern eine Einigung erzielt werden kann, durch die Unternehmer August Pforz und Rudolf in Groß-Almerode durchgeführt werden, sofern Pläne und Anschläge genehmigt werden. Noch im gleichen Jahr, also 1861, treten einige der ausgeschiedenen Mitglieder der Wasserinteressentenschaft wieder bei und akzeptieren die Statuten und Beschlüsse.

 

Weitere Beitritte erfolgten am 12. Dez. 1861, am 20. Mai 1863 sowie am 12. Juni 1863. Sämtliche Beitritte werden durch den Bevollmächtigten der Wasserinteressentenschaft, Georg Riemenschneider, sowie vom königlichen Amt Uslar bestätigt.
Die Neubeitritte erklären sich durch Unterschrift bereit, die zu legenden Strecken auf eigene Kosten auszuführen und sie zu unterhalten (geschehen in der Caspar’schen Gastwirtschaft in Barterode).

 

Bürger, die nicht Mitglied der Interessentenschaft waren oder nicht bei einem Interessenten-mitglied wohnten, war es nicht erlaubt, überfließendes Wasser am Wasserpfosten zu nutzen. Mein Großvater (geb. 1880) erzählte mir, die Wasserpfosten nannte man auch „Schückeposten“ (Schücken = Scheuern), wenn es einem im Rücken juckte, konnte man sich an ihnen scheuern.
Sicher hatten die Mitglieder der Interessentenschaft einen großen Vorteil, Wasser in der Nähe ihrer Grundstücke über eine Leitung zu beziehen.

 

1861 = 260 Einwohner

 

Die Finanzierung und Unterhaltung wurde wie folgt geregelt:

  1. 50 % nach der von den Interessenten zu zahlende Grundsteuer,
  2. 25 % nach der von den Interessenten zu zahlende Personensteuer, ausschließlich der Gewerbe-, Besoldungs-, Erwerbs- und Einkommensteuer,
  3. 25 % endlich nach der Anzahl der von den Interessenten gehaltenen Stück Pferde und Rindvieh. Hierbei ist die Gesamtzahl der Tiere maßgeblich.

Ferner ein neues Regulativ – Benutzung des Wassers für Häuslinge.
Gravierende Streitigkeiten werden unter völligem Ausschluss des Rechtsweges von der Verwaltungsobrigkeit entschieden. Rückständige Beträge werden durch die Obrigkeit beigetrieben.

 

Am 16. März 1864 heißt es:
„Zwischen den Bevollmächtigten der Wasserleitung, Heinr. Schäfer und Ernst Filthuth einerseits und den Ackerleuten, Heinrich Jeep, Ernst Schmidt und Christian Leunig andererseits ist folgender Kontrakt geschlossen:
…den oben genannten das Wasser der Wasserleitung unterhalb der beiden Filthuths Wasserpfosten in der Krugstraße auf ihre eigene Gefahr und Kosten nach ihren betreffenden Höfen zu leiten. Auch die auf ihre Kosten ausgelegte Leitung für die Folgezeit in Reparatur zu nehmen.“

 

Bis hierher ist immer noch von Wasserpfosten die Rede, wobei man davon ausgehen kann, dass es sich um die Rohbergsleitung handelt.
Am 20.01.1899 werden Leitungsanschlüsse und Leitungen ins Grundbuch eingetragen.
Der Hochbehälter am Rohberg wurde erbaut im Jahr 1901 von E. Fredershausen, Barterode. Von diesem Zeitpunkt an werden die Leitungen in Eisenrohren verlegt. Außerdem wurde der Hochbehälter in der Weide von H. Nienstedt in diesem Jahr gebaut.


Wassergenossenschaft – Wasserleitungsgenossenschaft Osterberg

 

Das Gründungsjahr dieser Genossenschaft ist aus den vorhandenen Unterlagen nicht ersichtlich.

 

Geschehen in der Ahlborn’schen Gastwirtschaft (heute Plumbohm)
Barterode, den 20. Januar 1899

 

Dort heißt es:

 

In der heutigen Generalversammlung der Wasserleitungsgenossenschaft Osterberg (erschienen waren 20 Mitglieder).
Zur Revisions-Comission wurden die Mitglieder Fritz Seeger, Ernst Gottsmann, Louis Tolle und Karl Brandt gewählt, die die Rechnung 1898 zu prüfen hatten.

 

1888 = 698 Einwohner

 

Es wurde beschlossen „daß Nichtgenossen, welche auch keine Wohnungsmieter der Genossen sind, durchaus kein Wasser aus der Leitung nehmen dürfen.“ Sie mussten aus den noch vorhandenen Brunnen Wasser entnehmen.

 

Die Unterzeichner
E. Tolle, Karl Brandt und Karl Wenzel
lassen darauf schließen, dass es sich um Quellen aus der Grefenburg handelt, z. B. Hoppenborn.

 

22. Februar 1900
…Beschlußfassung, daß die Anleihe welche von der hiesigen Spar- und Darlehnskasse im Namen von Ernst Tolle, Ernst Brandt und Genossen zum Zwecke der Wasserleitung 1897 aufgenommen wurde, als Schuld der Genossenschaft anzusehen ist, wofür sämtliche Mitglieder aufkommen müssen.
Diejenigen Mitglieder, welche aus dem Vorstand ausscheiden und durch Neuwahl ersetzt werden, übernehmen auch die Bürgschaft für die Genossen.

 

1901 soll schon die Bleileitung am Friedhof tiefer gelegt werden.

 

26. März 1902   heißt es, für die Wege nach Adelebsen erhält der Vorstand für jeden Weg 1 Mark
                          Für die Wege nach Uslar 3 Mark

18. Febr. 1905  = 729 Einwohner
                          In der Bethelstraße werden die Leitungen in Eisenrohre gelegt.

 

26. Jan. 1909 Die Versammlung bevollmächtigt den Vorstand, mit Herrn Leunig einen Vertrag abzuschließen, das überflüssige Wasser der Ziegelei zu dem Bassin (betr. Behälter am „Hopfenborn“) zu leiten.

Lt. Protokoll vom 9. Jan. 1914
…wurde beschlossen, 1 Standrohr anzuschaffen und für Wasserverbrauch zur Dampf-Dresch-maschine mit Standrohr 60 Pfennig zu erheben.

Aus den bisherigen Unterlagen ist nicht zu ersehen, dass Wasserinteressentenschaft und Wassergenossenschaft Osterberg als selbständige Institutionen nebeneinander bestanden.  

Ab 1925 müssen sich die Wohnungsmieter mit 3 Mark jährlich an den Kosten beteiligen.

1925 = 661 Einwohner

Am 18. Jan. 1927 …wurde der Beschluß gefasst, daß jedes Mitglied einen Hausabsteller haben muß, damit der Hauptabsteller nicht beschädigt wird.

Am 19. Jan. 1928 wurde unter Punkt 5. Verschiedenes beschlossen „einer etwaigen Verbindung der Rohbergsleitung mit der Osterbergischen zwecks Benutzung nur bei Feuergefahr zuzustimmen.“

1928 = 722 Einwohner

30. Sept. 1928
Es wurde einstimmig beschlossen, daß ein Neubau zur Wasserversorgung der Genossenschaft im Frühjahr ausgeführt werden soll. Da keine Einigung erzielt werden konnte, wurde eine Commission gebildet. Es wurde beschlossen, den Zufluss festzustellen. Da der Behälter vollgelaufen war, wurde weiter nichts unternommen.

Am 22. Jan. 1929 heißt es
„Zur Behebung der Wasserknappheit wurde einstimmig beschlossen, einen kleinen Wasserbehälter unterhalb des neuen Weges und von da ab eine Zuleitung in einen großen Sammelbehälter an der Friedenseiche zu bauen, falls eine nochmalige Prüfung ergibt, daß der Plan durchführbar ist.“ Am 30. Juni 1929 „…oberhalb der Quelle am Hopfenberge mit der Wünschelrute nach Wasser zu suchen“

Am 14. Jan. 1930
wurde beschlossen, den Rest der Kosten der vorjährigen Neuanlage je zur Hälfte im Juni und Dezember diesen Jahres abzutragen,
In diese Zeit müsste der Bau des Hochbehälters auf dem Osterberg (Osterfeuer-Platz) fallen.

1934/35 = 706 Einwohner
„…daß die Wasserleitung von der politischen Gemeinde übernommen ist, Beschluß einstimmig. Der Vorsitzende wird bevollmächtigt, vor dem Grundbuchamt die Übertragung des Grundeigentums der Genossenschaft auf die politische Gemeinde zu beurkunden.“

Im Protokoll der Gemeinde vom 23. Januar 1935 heiß es:
Zu Mitgliedern des Gemeindewasserausschusses wurden bestimmt von der früheren Wasserleitungsgenossenschaft Rhodebrunnen Aug. Hichert, Adolf Jeep und Gust. Göbel. Von der Wasserleitungsgen. Osterberg G. Göbel (Wegewärter) und Gustav Brandt. Von der Wassergen. Unterstraße Louis Drüke und Ernst Frees. Wassergen. Unterstraße bezieht sich auf die Häuser, die bisher noch nicht an eine der Wasserleitungen angeschlossen sind.

13. Febr. 1945
…soll eine 50 %-ige Rate Wassergeld nach dem alten Richtsatz erhoben werden einschließlich der Evakuierungen.

1945 = 1.440 Einwohner

Ständig steigender Wasserverbrauch, einmal bedingt durch den hohen Anteil der Flüchtlinge aus dem Osten und den Großstädten Aachen und Hannover, zum anderen wurden in vielen Bauernhäusern Badezimmer gebaut, was man auf dem Dorf bisher nicht kannte.

1947 = 1.600 Einwohner

Um den ständigen Wassermangel zu beheben, gründete man 1952 den Wasserbeschaffungsverband Barterode.
Man entschloss sich, eine Tiefbohrung vorzunehmen. Nachdem ein geologisches Gutachten eingeholt war, wurde westlich von Barterode an der Kreisstraße mit der Tiefbohrung begonnen (Firma Anger & Söhne, Hess. Lichtenau).
In einer Tiefe von 206 m stieß man auf das erhoffte weiche Wasser (Buntsandstein). Die Temperatur des Wassers von 19,5 °C machte eine Nutzung aus hygienischen Gründen unmöglich. Das Bohrloch wurde bei 100 m mit Beton verschlossen, um das Wasser in dieser Tiefe zu nutzen (sehr hartes Wasser).

1.) Gemeinde- und Gebietsreform, WBV Barterode bleibt bestehen, neues Schöpfrecht
2.) Beteiligung an Ringleitung und Hochbehälter Kuhberg
3.) Wasserlieferungsvertrag mit dem Flecken Adelebsen


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